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Konflikte in Familien - was dürfen die Kinder mitbekommen?

Aktualisiert: 4. Okt. 2022

Konflikte gehören zum normalen Alltag in Familien und auch in Beziehungen. Wo Menschen miteinander leben, kann es bei der Kommunikation zu Meinungsverschiedenheit kommen. Schnell kann es passieren, dass Streitsituationen vor den Kindern ausgetragen werden. Bei den Eltern führt das zu einer großen Ungewissheit, vor allem wenn kleinere Kinder eingebunden sind. Wie viel Streit dürfen Kinder mitbekommen? Wirken sich konfliktgeladene Situationen negativ auf das Sozialverhalten der Kinder aus? Und wie könnt ihr in Zukunft dafür sorgen, dass du konstruktiv mit einer Meinungsverschiedenheit umgehst? Diesen Fragen wollen wir uns in diesem Artikel genauer zuwenden.

Ist ein Konflikt schädlich für eure Kinder?

In der Vergangenheit sind Experten davon ausgegangen, dass ein Streit für Kinder kein Problem darstellt, sofern diese auch die Versöhnung mitbekommen. Diese Annahme ist mittlerweile widerlegt. So konnte festgestellt werden, dass der Stresspegel bei Kindern unmittelbar ansteigt, sobald sich die Eltern anschreien und die Gemüter hochkochen.


Eure Kinder können eine Meinungsverschiedenheit selbst dann mitbekommen, wenn sie bereits im Bett liegen. Denn sie hören die veränderten Stimmen und spüren den Konflikt. Die Folge ist ein Anstieg von Stresshormonen, die sich nur sehr langsam wieder abbauen. Hinzu kommt, dass sich Kinder mit einer solchen Situation überfordert fühlen, die Situation nicht richtig einschätzen können, verängstigt oder zumindest sehr stark verunsichert sind.


Befinden sich eure Kinder direkt im Raum mit euch, während ihr euren Streit austragt, nehmen sie euren wütenden, verletzten oder enttäuschten Gesichtsausdruck wahr. Diesen können sie nur sehr schwer einordnen, wodurch verschiedenste Emotionen bei euren Kindern ausgelöst werden können.


Die Folgen können für eure Kinder gravierend sein, sich sowohl auf das Schlafverhalten als auch auf das Sozialverhalten auswirken. Zu diesen Konsequenzen zählen:


• Unsicherheit

• Übersteigerte Ängstlichkeit

• Schüchternheit

• Aggressives Verhalten

• Verhaltensstörungen (Fingernägelkauen)

• Niedriges Selbstwertgefühl


Ist es grundsätzlich schädlich, wenn eure Kinder die Konflikte mitbekommen?

Hier kommt es darauf an, um welchen Konflikt es sich handelt. Grundsätzlich werden konstruktive Konflikte von destruktiven Konflikten unterschieden.


Um einen konstruktiven Konflikt handelt es sich, wenn ihr in der Lage seid, eine Meinungsverschiedenheit auf einer respektvollen Ebene auszutragen. Dabei handelt es sich um eine sehr wertvolle Erfahrung für eure Kinder, denn sie bildet die Basis für ein gutes Konfliktmanagement. Auf diese Weise können sie beobachten, dass selbst in hitzigen Diskussionen die Wertschätzung und der Respekt gegenüber dem anderen erhalten bleiben. Damit prägt ihr die Verhaltensweisen eurer Kinder auch in späteren Beziehungen.


Anders sieht es beim destruktiven Streitverhalten aus. Bei diesem Verhalten sucht ihr nicht gemeinsam konstruktiv nach einer Lösung, sondern der eigene Standpunkt steht im Vordergrund. Auf die Bedürfnisse des anderen wird nicht eingegangen und meist bestehen diese Streitereien aus vielen „Ich-Botschaften.“ Zurück bleiben dabei verletzte und frustrierte Eltern.


Wie solltet ihr mit euren Kindern bei einem Streit umgehen?

Streiten gehört zu jeder zwischenmenschlichen Verbindung. Geratet ihr in eine solche Situation, ist es wichtig, dass ihr eure Kinder miteinbezieht. Eure Kinder sollten verstehen, dass es sich um eine Meinungsverschiedenheit handelt und die Situation absolut nichts mit ihnen zu tun hat. Versucht euch auf die Emotionen eurer Kinder einzulassen und nehmt ihnen die Ängste. Kinder haben in solchen Situationen oft Angst, dass sich Eltern nicht mehr lieb haben könnten oder es zu einer Trennung kommen könnte. Diese Angst solltet ihr euren Kindern nehmen.


Auf keinen Fall solltet ihr eure Kinder direkt mit in den Streit ziehen und sie zu Schiedsrichtern machen. Zwingt sie nicht, sich auf eine Seite zu stellen, denn dadurch würden sich eure Kinder stark überfordert fühlen.


Sinnvoll kann es auch sein, für eine konfliktfreie Situation zu sorgen. Ihr könnt nicht immer einer Meinung sein und zu gesunden Beziehungen gehören auch Konflikte. Aber wenn es euch gelingt, die Kontrolle über eure Emotionen zu behalten, könnte ihr den Streit auf später vertagen, wenn ihr merkt, dass es ein Problem gibt. Das gibt euch die Möglichkeit, euren Streit dann auszutragen, wenn die Kinder nicht anwesend sind.


Sind unüberbrückbare Konflikte vorhanden, solltet ihr eine Paarberatung in Erwägung ziehen. Eine Paarberatung kann euch dabei unterstützen, den Alltag harmonischer zu gestalten und auch die bestmöglichen Bedingungen für die Erziehung eurer Kinder zu schaffen.


Fazit:

In jeder Familie und Beziehung ist die Kommunikation die Basis. Nur wer gut miteinander kommunizieren kann, erkennt die Bedürfnisse der Gegenseite und kann Konflikten rechtzeitig entgegensteuern. Dennoch lassen sich Streitereien nicht ganz vermeiden. Sind Kinder im Spiel, kann es zu schwerwiegenden Konsequenzen führen, wenn die Meinungsverschiedenheiten ausarten. Es kommt darauf an, wie die Konflikte ausgetragen werden, denn dies trägt entscheidend dazu bei, ob ein Kind daraus positive Erfahrungen mitnimmt oder ob negative Konsequenzen noch lange nachhallen.


Liebe Grüsse


Tomi


PS: Als Hinweis. Bewerbungen für eine Paarberatung wo Kinder im Spiel sind, werden bei uns vorgezogen.

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